50 Jahre Oper im Schlosshof 1965–2015

Der Internationale Opernkurs der Jeunesses Musicales Deutschland hat eine große Tradition und ist heute eines der renommiertesten Förderprojekte für den Opernnachwuchs in Europa.

Der Weikersheimer Schlosshof - im Jahr 1965 wird er zum ersten Mal zur Opernbühne. Foto: JMD

Enthusiasmus und Energie – ohne Ende

Ein Renaissance-Schloss als stimmungsvolle Kulisse, ein Park, in dem sich im Sommer herrlich lustwandeln lässt – dieses unvergleichliche Ambiente inspirierte  Musikstudenten, die seit Anfang der 1950er Jahre zu den Internationalen Sommerkursen der Jeunesses Musicales Deutschland nach Weikersheim kamen, sich auch an das musikalische „Gesamtkunstwerk“ Oper zu wagen. Nachdem zunächst im Schlosspark Teile aus Opern aufgeführt worden waren, fand 1965 mit Beethovens „Fidelio“ erstmals eine vollständige Opernaufführung im Schlosshof statt. Bis 1983 wurde der Kurs maßgeblich von Klaus Bernbacher, dem damaligen Bundesvorsitzenden und künstlerischen Kopf der JMD geprägt. Sein Verdienst ist es, dass er dem, was als studentische Initiative begann, eine weitergehende künstlerische Perspektive gab, die das Projekt über Weikersheim hinaus auf nationaler und bald auch internationaler Ebene ausstrahlen ließ.

Förderung auf höchstem musikalischem Niveau

In jedem Augenblick mit leidenschaftlicher Tatkraft realisiert, lassen sich im Rückblick einige Meilensteine dieses zu seiner Zeit jeweils Bestmöglichen benennen. Etwa das Jahr 1979. Ab diesem Jahr übernahm regelmäßig eines der deutschen Landesjugendorchester den Part des vormals „bunt“ zusammengesetzten Opernorchesters. Seit 1990 aber sitzt kontinuierlich ein junges Ensemble von nationalem Rang im „Orchestergraben“: Die Junge Deutsche Philharmonie, das Nationale Jugendorchester der Niederlande, das Nationale Jugendorchester Spanien und wiederholt, wie auch 2013, das Bundesjugendorchester. Für die jungen Orchestermusiker bedeutet das Projekt eine neue, seltene Erfahrung, eine Förderung auf höchstem musikalischem Niveau und eine spannende Erweiterung ihres Repertoires.

Einen weiteren qualitativen Quantensprung erlebte die Junge Oper Schloss Weikersheim 1993 mit der Produktion von „Orphée“ von Philipp Glass. Der Komponist hatte sich entschieden, die europäische Erstaufführung seines Werkes gemeinsam mit den Opernmachern der Jeunesses Musicales auf die Bühne zu bringen. Intensiv  begleitete er die Produktion vor Ort – und Weikersheim rückte in den Fokus der internationalen Opernwelt.

Spätestens seit diesem Zeitpunkt ziehen die Open-Air-Vorstellungen und der den Aufführungen vorangehende Opernkurs die Aufmerksamkeit renommierter Dirigenten und Regisseure auf sich. Mit Werner Andreas Albert, Dennis Russell Davis, Lothar Zagrosek, Stefan Sanderling, Marc Adam, Yakov Kreizberg und Alessandro de Marchi haben sich klingende Namen und führende Dirigenten ihrer Generation in die Chronik der Jungen Oper Schloss Weikersheim eingeschrieben.

Für die Produktion der Mozartoper „Don Giovanni“ stand im Sommer 2013 mit Bruno Weil eine der weltweit führenden Kapazitäten für die Wiener Klassik am Pult. Was für Künstler von Weltrang die Attraktion ausmacht, brachte Dirigent de Marchi auf die Formel: „Ich arbeite hier genauso intensiv wie mit einem Profiorchester. Was dazu kommt, ist der Enthusiasmus und Energie – ohne Ende“.

Glanzpunkt fernab des Mainstream

Die jugendliche Enthusiasmus der Anfangszeit prägt die Produktionen bis heute. Professionalität hat das freundschaftliche Miteinander nicht ersetzt. Im Gegenteil. Der Opernkurs ebenso wie seine Aufführungen sind zutiefst vom Ideal der JMD geprägt: Der Mensch ist Mittel- und Ausgangspunkt aller Musik. Unverfälscht und frei von vorgefertigten Meinungen oder Interpretationen arbeiten die Dirigenten und Regisseure mit dem internationalen Opernnachwuchs und schlagen dabei die Brücke zwischen Originaltext und Individualität – Oper pur. Höchste künstlerische Authentizität, kompromisslose Liebe zur Qualität und Teamgeist – diese Faktoren machen die Junge Oper Schloss Weikersheim zu einem internationalen Anziehungspunkt und zu einem Glanzpunkt abseits des Mainstreams.

Sprungbrett für die Stars von morgen

Für junge Sängerinnen und Sänger ist der Internationale Opernkurs der JMD als Sprungbrett zu einer professionellen Karriere hoch attraktiv. Die Zahl der Bewerbungen aus dem In- und Ausland steigt kontinuierlich. Für die Produktion des „Don Giovanni“ 2013 hatten sich mehr als 250 Talente aus über 20 Ländern um einen Platz beworben. Rollenstudium, darstellerisches Vermögen, Körpertraining, Fechten und Tanzen – die JMD bereitet sie in diesem mehrwöchigen Meisterkurs intensiv auf all das vor, womit sie als Opernsänger konfrontiert sein werden, und was die Ausbildung an der Hochschule in einem wesentlichen Punkt ergänzt. Enthusiastisch und diszipliniert arbeiten sie daran, ihre Möglichkeiten zu entfalten und ihren Fähigkeiten den letzten Schliff zu geben, denn sie alle brennen für einen Traum: die große Opernbühne.

Einer, der es geschafft hat, ist Tenor Matthias Klink. Auch in seine musikalischen Biographie ist die Junge Oper Schloss Weikersheim eingeschrieben. Gerne erinnert er sich und sieht den Opernkurs der JMD als „wichtigen Schritt für eine junge Karriere: Dass man sich hier unter Profibedingungen einer Rolle nähern und diese dann auch verkörpern kann – das ist sensationell!“. 1994 war Klink auf der Weikersheimer Opernbühne als „Fenton“ in Verdis „Falstaff“ zu erleben. Heute singt er an der Stuttgarter Staatsoper, der Mailänder Scala und an der Metropolitan Opera in New York. Erst vor kurzem erreichte das Weikersheimer Opernteam die Nachricht, dass in diesem Jahr erneut eine Karriere, die in Weikersheim begann, nach New York führt. Der brasilianische Tenor Ricardo Tamura, 2001 in Weikersheim, wird im Dezember in Verdis „Tosca“ an der Met debutieren. Und auch bei den „Don Giovanni“-Aufführungen dieses Sommer saßen erneut Vertreter von Agenturen und Intendanten renommierter Opernhäuser im Publikum um die die Stars von morgen zu „casten“.


Die Junge Oper Schloss Weikersheim und der internationale Opernkurs der Jeunesses Musicales Deutschland stehen für lebendiges, intelligentes Musiktheater, höchstes musikalisches Niveau und junge Stimmen. Unter freiem Himmel entstanden und mit freiem Geist gelebt – Diese unverwechselbare Frische kann jeder, der die Akteure auf und hinter der Bühne im Weikersheimer Schlosshof erlebt, spüren. 

Letzte Änderung am Do, 02.07.2015