Leichtigkeit und Spiellaune im Countdown zur Premiere

Im Weikersheimer Schlosshof laufen die Endproben für Aufführungen der „Hochzeit des Figaro“. Das Künstlerische Team, Solisten und Orchestermusiker der Jungen Oper Schloss Weikersheim feilen an den letzten Details der diesjährigen Opernproduktion der Jeunesses Musicales Deutschland.

Regisseur Dominik Wilgenbus ist in den Proben mit den Solisten trotz hochsommerlichen Temperaturen ständig in Aktion auf der Bühne. Er kennt die Mozartoper in- und auswendig. Auswendig kann er tatsächlich den kompletten italienischen Text. Inwendig kennt er den Charakter jeder Bühnenfigur. Seine Inszenierung steht, nun geht er mit den Sängern noch einmal einzelne Szenen durch.

Er spricht die Rezitative auf italienisch mit, übersetzt quasi synchron ins Deutsche. Dabei formuliert er in seinen eigenen Worten, übertreibt, um die Szene noch pointierter herauszuarbeiten: Die Kammerzofe Susanna knallt einen großen Wäschekorb auf den Boden. Sie ist wütend auf ihre Herrin. „Die alte Schachtel“ – so steht es freilich nicht im Textbuch, aber mit diesen Worten schlüpft der Regisseur, selbst in bester Spiellaune, für einen Moment in die Rolle der Zofe. 


Neben diesen szenische Korrekturen, gilt es auch für das Orchester, mehr und mehr alles „auf Hochglanz“ zu polieren. Wegen der großen Hitze wird tagsüber drinnen geprobt. Hier ist auch mehr Platz als im engen Orchestergraben vor der Bühne. Am Pult: Bruno Weil.

Die jungen Orchestermusiker aus Tschechien, Polen und Deutschland mussten zu Beginn der Probenarbeit zehn Tage zuvor erst einmal schlucken. Weil ist anspruchsvoll, und wenn es noch nicht so klingt, wie er es sich vorstellt, findet er deutliche Worte. Und flucht schon mal. Orchesterdozentin Elisabeth Walfisch aus London sitzt mit ihrer Geige mitten im Orchester. Eine Stelle wird wiederholt, das Tempo stimmt noch nicht: Es seien genau dieselben Noten wie zuvor, nicht schwieriger, nur schneller – Gelächter.

Nach solchen Auflockerungen funktioniert es plötzlich. Die jungen Musiker spielen sich mehr und mehr frei, gewinnen an Leichtigkeit, gehen das hohe Tempo mit. Bruno Weil ist begeistert und strahlt seine Freude zurück ins Orchester. 


Bis zu den Aufführungen muss sich alles stimmig zusammenfügen. Ein Blick auf den Probenplan der Jungen Oper Schloss Weikersheim zeigt den Countdown: Szenische Bühnenproben mit Klavierbegleitung, Register- und Tutti-Proben des Orchesters,  Beleuchtungsprobe in der Nacht, Bühnen-Orchesterprobe, Hauptprobe mit Kostümen. Aktuell, in der Premierenwoche stehen nur noch auf dem Plan: Generalprobe I und Generalprobe II. Hierfür lautet die Vorgabe für alle Beteiligten auf, vor und hinter der Bühne: „ALMA“, alles mit allem, das heißt, in Kostümen, mit Maske, mit Original-Licht, etc. eben, wie der Name schon sagt. Und  dann ist – nach einem Ruhetag – Premiere!

 

 

Letzte Änderung am Fr, 17.07.2015